Montag, 30. September 2013

Good Bye Unguja - Karibu Arusha

Heute ist mein letzter Tag in Sansibar und genau wie bei meinem Abschied von Dar schaue ich mit einem weinenden und einem lachendem Auge auf unsere Safari, die wir morgen mit unserem Flug nach Arusha starten!

In den letzten Tagen habe ich hier nochmal viel erlebt:

Natuerlich habe ich noch einige Abende am Forothani Night Market verbracht und verschiedene Leckereien probiert. Die Jackfruit-Season hat gerade begonnen und ich bin ein grosser Fan dieser riesigen Fruechte mit harzigem Inhalt geworden, deren Fruchtfleisch man nur essen kann, wenn man es mit oeligen Haenden herausschaelt. 


Auf der Full Moon Party in Kendwa habe ich viele bekannte Gesichter wieder getroffen und auf Bongoflava, HipHop und Chartmusik am Strand unter Sternenhimmel getanzt.



Geschlafen habe ich in Nungwi bei Lydia, die dort ein Bildungszentrum gegruendet hat und Englisch- sowie Deutschunterricht gibt. Bei ihr arbeiten auch einige Freiwillige aus verschiedenen Laendern Europas. Auf dem Bild rechts sieht man einen Massai, der gerade Kiswahili lernt und links die Welpen, in die ich mich natuerlich gleich verliebt habe :)

Auch das ist ein typisches Bild hier: Muel, Muell, Muell :(


Letzte Woche habe ich ausserdem bei einer Outreach clinic in einer Schule/Kindergarten in Stone Town teilgenommen, bei der den Kindern beigebracht wurde ihre Ohren nicht mit Wattestaebchen zu putze, da sie dadurch ihre Ohren mit Wachs verstopfen ;) Ein hauefiges Problem hier, wie auch ich bei der Untersuchung etlicher Kinderohren feststellen musste :) Die Kinder mit wax impaction sollten eine Woche lang clear wax-Ohrentropfen benutzen und kamen dann zur ear syringe (die Ohren wurden mit einer Wasserspritze gereinigt) ins Mnazi Mmoja Hospital.


 Am Freitag hab ich mich vom ENT (ear, nose & throat = HNO)-Team verabschiedet. Meine Eltern hatten einige Brillen und Handschuhe mitgebracht, die ich an das ZOP (Zanzibar Outreach Programme) gespendet hab, ausserdem habe ich den Schwestern und Aerztinnen Schmuck mitgebracht, den meine Omas mitgegeben haben und ueber den sie sich sehr gefreut haben.


Das letzte Wochenende habe ich mit meinen Eltern in Jambiani verbracht. Wir haben am Donnerstag zusammen eine Stadtfuehrung durch Zanzibar Town gemacht, haben uns am Freitag den Jozani Forest angeschaut, wo wir schon einigen Affen begegnet sind und am Samstag waren wir tauchen. Wir haben Langusten, Tintenfische, Seeschlangen, Blattfische und natuerliche Krokodil- und Rotfeuerfische gesehen. Am Sonntag haben wir das Delphinschwimmen in Kizimkazi gebucht, wozu wir um 6 Uhr morgens abgeholt wurden und mit etlichen anderen Booten immer wieder darauf gewartet haben, dass die Delphine auftauchen, um dann ins Wasser zu springen und ihnen nachzuschwimmen/tauchen. Es war zwar hektischer als ich es mir vorgestellt hatte, aber trotztdem eine tolle Erfahrung diesen wunderschoenen Tieren mal so nah zu sein!
Nach dem Delphinschwimmen gabs Fruehstueck am Meer
Baobab - mein Lieblingsbaum




Und hier meine letzten Eindruecke von Sansibar:
ok, ich gebs zu, bis ganz nach oben hab ich's nicht geschafft ;)

diese Haueser wurden von der damals befreundeten DDR mit gebaut


Montag, 23. September 2013

Beautiful Zanzibar

Meine Zeit auf Sansibar ist schon wieder zur Hälfte rum und ich hab noch nichts von meinen Eindrücken hier hören lassen - das muss ich schnell nachholen:


Meinen ersten Abend habe ich mit Leon im Livingstone Club (einem
Restaurant/Bar am Strand) vferbracht, wo die Jazz-Konzerte des Jahazi-Festivals statt gefunden haben. Tolle Livebands in schöner Atmosphäre!

Am zweiten Tag habe ich mich mit Daniel getroffen, der mir Alex (einen US-Amerikaner, der seit 3 Jahren Swahili studiert und hier ein Jahr lang Sprachkurs macht) und Ally (auf Sansibar geboren, in England und Kanada studiert) vorgestellt hat, mit denen wir später Pool-spielen und in Allys Haus lecker essen gegangen sind.

Dann fing meine Famulatur im Mnazi Moja Hospital an: im ENT-Department (HNO) lerne ich wirklich viel (zB Ohren, Nase, Schilddrüse untersuchen) und die Ärzt*innen sind sehr nett.
Mittlerweile habe ich auch mal bei einer Thyreodektomie und bei mehreren Adenoid-Tonsillektomien zuschauen dürfen.
Die letzten beiden Wochen fand eine Fortbildung für Health Care Workers aus verschiedenen Dörfern in Unguja (Hauptinsel Sansibars), und von den Inseln Tumbato, Uzi und Pemba statt. Es gab jeden Tag einen Vortrag und praktische Übungen am Patienten .War viel Wiederholung für mich, da es vor allem um Basics ging, ich habe aber sicherlich auch einiges gelernt.
An meinem zweiten Wochenende bin ich samstags mit zur Outreach clinic nach Tumbato, einer nahgelegenen Insel im Nordwesten von Unguja, gefahren. Wir haben zwei Busse mit medizinischem Personal und
Equipment bzw. ab Mkokotoni dann ein altes Holzboot vollgepackt und sind losgetuckert - Leider nur bis ein paar hundert Meter vor der Küste Tumbatos, da die Ebbe nicht mehr zuließ. Also sind wir den Rest durchs Wasser gestapft und würden schließlich herzlich von den Inselbewohner*innen empfangen. Es gibt keinen Arzt/keine Ärztin und keinen Tourismus auf Tumbato. Die Menschen leben dort sehr traditionell und in eher armen Verhältnissen.
Sogar Zanzibarians meiden die Insel, weil dort Geister vermutete werden bzw. es einige Mysterien über die wunderschöne Insel gibt.
Die Outreach clinic fand in einer Schule statt. Dort wurden die Pat. je nach Beschwerden auf die verschiedenen "Departments" verteilt. Ich habe mit geholfen die Sehtests zu machen, bei der pressure & Diabetes-Station Blutdruck und Blutzucker gemessen und später in der "Apotheke" die verschriebenen Medikamente auszugeben.
Es war auf jeden Fall sehr interessant zu sehen, wie die Peripherie Sansibars außerhalb von Stone Town medizinisch versorgt wird. Vergleichbar mit einem Gesundheitssystem in Deutschland, wo wir uns über "Landärztemangel" beklagen, ist das natürlich bei weitem nicht.

In meiner ersten Woche habe ich mir außerdem ein Henna-Tattoo malen lassen, war mit Alex und Ally einige Male beim Carpoeira bzw. Kickboxen
(Ally ist Carpoeira-Lehrer) und hab allerlei sansibarische Leckereien auf dem Forodhani night market und von den beiden housegirls, die neben mir wohnen kosten können. Meine Favoriten sind Orojo (Suppe mit Kartoffeln, Salat und Pili pili), Zanzibar-Pizza und ... Sugarcan Juice aus Zuckerrohr, Zitrone und Ingwer ist wirklich köstlich und ich bin noch immer dabei mich durch alle Früchte durchzuprobieren :)

Ich war außerdem mit
 Alex in Nungwi, wo wir uns das Schildkrötenbecken angeschaut und Lydia, eine Freundin von Anna besucht haben. Abends haben wir bei Cholos im Sand während des
Sonnenunterganges zu Abend gegessen - wunderschöner Strand!

Am zweiten Wochenende war in Jambiani Manduly, einen Freund von Sidaz und Anna, und das Water Sport Festival besuchen.
Auf dem Weg habe ich noch das kleine Butterfly Center besucht.
Am Samstag hatten wir auf dem Festival eine Carpoeira-Show, bei der auch ich mit machen sollte, was echt Spaß gemacht hat!
Für den Sonntag habe ich mit Rebecca, Luisa, Tim, Sira und Anwar einen kleinen  geplant. Wir sind mit einer kleinen traditionellen Dhow (Segelschiff  Holz) raus gefahren und haben viele Seesterne und ich sogar 3 Feuerfische, einen Krokodilfisch und Clownfische (Nemo!) gesehen.

Ansonsten war ich in Stone Town etwas bummeln, mit den anderen (englischen und deutschen) Medizinstudentinnen was essen, am Strand liegen, mit Alex & Ally Shisha rauchen oder vom Maru Maru-Hotel aus den Sonnenuntergang beobachten.
Mehrmals pro Woche gehe ich zum Carpoeira/Kickboxen und auf den Nachtmarkt Forodhani.

Letztes Wochenende war meine Erkältung endlich und konnte auf die Fullmoon Party in Kendwa gehen, bei man wirklich und jede wieder trifft ;)
Und ich war von Nungwi aus am Mnemba Atoll tauchen und habe meinen ersten Riffhai unter Wasser gesehen!

Mittwoch, 4. September 2013

Mein Leben in Dar - einige Anektdoten und Momentaufnahmen

Dars Straßen sind nicht immer einfach befahrbar
  • Der Verkehr ist in Dar zur Rush Hour noch schlimmer als in Kapstadt, wahrscheinlich vergleichbar mit Kairo oder anderen ähnlich großen Städten. Die Ampeln beachten die vielen Autos (unglaublich viele Trucks, SUVs etc.), Taxis, LKWs, Bajaji (wie indische Tuk tuks), Motorradfahrer (Piki piki) und vor allem die Dala dalas (Minibusse = public transport) genauso wenig wie alle anderen Regeln der Strassenverkehrsordnung. So stehen relativ häufig Polizist*innen an den Kreuzungen, um den Verkehr zu regeln, der sonst einer einzigen Anarchie gleicht. Vor allem Dala dalas fahren frei nach dem Motto, wer zuerst kommt, hat Recht und bremsen deshalb erst in allereletzter Sekunde. Dafür ist eine Fahrt mit dem Dala dala innerhalb Dars auch spottbillig (400 TSh = 20 Cent).
  • In Tanzania ticken die Uhren anders: Die Zeitzählung faengt mit Sonnenaufgang, also um 6 Uhr an, d.h. saa tatu (3) asubuhi ist 9 Uhr morgens nach unserer Zeitzählung. Diese tansanische Zeitzählung findet man auf wenigen Uhren im Aga Khan Hospital und auch Sidaz'  und Agathas Uhren zeigen ab und zu die tansanische Zeit an.
  • Wenn man dem City Center entflieht und in Richtung der Halbinsel Msasani einige Taximinuten in nördlicher Richtung ankommt, befindet man sich in einer anderen Welt, denn hier stehen nicht nur die mit hohen Mauer umzäunten Botschaftshäuser, sondern auch die umzäunten Wohngegenden und Villen der Wohlhabenderen und Reicheren von Dar. Hier finden die Gespräche in den Pubs und Bars häufig in einem Mix aus Swahili und Englisch statt und der Kleidungsstil gleicht dem Unseren. In Msasani findet man auch den Strand Oyster Bay mit der Bar "Coco Beach", wo man bei einer Coke am Strand chillen kann. Auch hier bieten Strandverkäufer*innen Chips, Schmuck, Sonnenbrillen, Süßes uvm. an. An den Stränden in und um Dar sieht man meistens große Schwimmreifen, da viele Tansanier*innen nicht schwimmen können. Und so wird man als Mzungu auch des Öfteren gefragt, ob man dem/derjenigen nicht Schwimmen beibringen könne (ein Paradies für Anny ;)).
  • Da bei uns im Hof morgens und mittags Essen gebraten/kocht und verkauft wird, schwirren immer hunderte Fliegen herum und auch Ratten kann man fast jeden Abend beim Hochklettern an Häuserwänden beobachten. Auch an die Spinnen im Plumpsklo, der "Dusche" und meinem Zimmer hab ich mich gewöhnt. Nur mit den Kakerlaken konnte ich bis jetzt noch keine Freundschaft schließen. Vor allem nachdem Agatha beim Putzen eine (tote) unter meinem Bett hervorgeholt hat und mich gerne nachts auf dem Klo erschrecken...! Zu meinen weiteren Haustieren konnte ich außerdem ab und zu Eidechsen und eine Maus, die mein Brot angeknabbert hat, zählen
  • Es gibt zwar auch eine Mall in Mwenge nach westlichem Vorbild, die afrikanische Version eines Einkaufszentrums ist aber eher der Markt in Kariakoo. Hier finden sich Strassenweise offene Geschäfte, die alles anbieten, von Elektrogeräten über Matratzen bis hin zu Drogerieartikeln und Lebensmitteln. Auch hier dürfen die Strassenverkaeufer natürlich nicht fehlen. Allerdings sollen hier auch vermehrt Handtaschendiebe unterwegs sein. Ausserdem ist es eine grosse Haltestelle der Dala dalas.
  • Auch in Mwenge gibt es einen Markt, der vor allem nachts zum Leben erwacht, wenn die Verkäufer ihre Waren (Schuhe, Klamotten) auf Decken oder Wagen (Drogerieartikel und Obst) mit Lampen ausleuchten und lauthals den Preis des Angebotenen kundgeben.
  • Müll wird abseits des City Centers einfach auf einem Haufen verbrannt. Unser Müll wurde wohl abgeholt - es gibt anscheinend private und öffentliche Müllunternehmen - so ganz habe ich das System nicht verstanden. Am Ende wird der Müll wahrscheinlich auch wieder nur irgendwo verbrannt...
  • Obwohl Flaschenpfand nur auf GGlasflaschen gibt, sieht man häufig Plastikflaschensammler*innen. Wahrscheinlich können sie diese irgendwo weiter verkaufen. 
  • Es ist nicht nur üblich, dass bei Krankheit häufig zunächst traditionelle Medizin genommen wird, auch der starke Glaube vieler Menschen bringt die Patienten dazu, (neben finanziellen Gründen) oft erst spät eine Klinik aufzusuchen. Wir haben beispielsweise die Knöchelfraktur einer Dame operiert, die zunächst versucht hat durch Gebete geheilt zu werden.
  • Das Handy ist hier, wie bei uns, ständiger Begleiter und ohne ein modernes Leben kaum möglich. Hier wird auch Geld mit dem Handy überwiesen, Strom gekauft und natürlich soziale Kontakte gepflegt. Dafür kauft man einfach Airtime (Kredit) fürs Handy oder den PC, was recht günstig ist.
  • Ca. einmal die Woche gibt es einen Stromausfall, der meist ein paar Stunden dauert. Dann heißt es wieder überall "Nimesikia Tenesco" (ich hasse Tenesco = der Stromkonzern, der Tansania mit Strom versorgt) bzw. "Welcome to Africa" ;) besonders ecklig ist es allerdings, wenn bei Stromausfall durch eine Straße mit Geschäften läuft, weil dann überall die lauten und stinkenden Dieselgeneratoren laufen.
  • Kiswahili ist die Nationalsprache in Tanzania und viele Menschen können die Sprache ihres Stammes nicht mehr sprechen bzw. geben sie nicht mehr an ihre Kinder weiter. Es ist in Dar auch nicht so selbstverständlich, dass alle Englisch können, die Schulbildung sorgt leider nicht für die besten Sprachkenntnisse.
  • In Dar leben viele Menschen indischen Ursprungs, teilweise schon seit vielen Generationen. Ihre Sprache und Kultur haben die meisten Familien allerdings trotzdem erhalten und auch den gesellschaftlichen Stand: Indische und arabische Afrikaner*innen haben meist die besseren Jobs in Dar.
  • Das Nightlife in Dar kann sich sehen lassen: es gibt viele Bars und Clubs und es ist auch meist gute Stimmung und alle tanzen :)
  • In Tansania ist es üblich frisches,  auf dem Markt gekauftes Gemüse zu kochen, anstatt Fertigprodukte im Supermarkt zu kaufen. Von denen gibt es ohnehin nur wenige in Dar.
  • Die verschiedenen Biermarken haben hier so coole Namen wie Safari, Kilimanjaro, Ndovu (Elefant) und . Über den Geschmack kann ich euch nix sagen - das darf dann mein Papa ausprobieren :)
  • Den größeren Stellenwert von Familie in Tansania bemerkt man auch daran, dass man sich hier als 'Dada' (Schwester) oder 'Kaka' (Schwester) bzw. Baba/Mama und Bibi (Oma)/Babu (Opa) anspricht, egal ob auf der Strasse oder den/die Kellner*in im Restaurant. 

Meine schönsten Momente in Tanganyka


- in Dars Clubs auf Bongoflava und HipHop die Hüften schwingen und Komplimente (von Mädels) fürs Tanzen bekommen -

- am verlassenen Strand in Bagamoyo entlang laufen, den Wellen lauschen, die Sonnenstrahlen kitzeln auf der Nase und nur den Fischern und Krabben bei ihrer Arbeit zuschauen -

- mit Agatha in der Küche stehen und ihr dabei helfen eine ihrer Köstlichkeiten
Agatha kocht Ugali
zubereiten -

- mit Rebecca, Sira und Leon bei Kerzenlicht gemeinsam an einem schönen Abend Agathas Festmahl verspeisen -

- bei einer Probestunde von Muftis Tanzgruppe mitmachen, eine Choreografie traditionell afrikanischen Tanz lernen und ihnen ein paar Modern- und Lateinamerikanische Schritte beibringen -

- im Village Museum bei einem Spaziergang mit Daniel durchs 'wet land' Meerkatzen entdecken und von einer Tänzerin afrikanischen Tanz beigebracht bekommen -

- mit Mukasa, Maryam, Jimmy und den anderen Ärzt*innen im On-Call-Zimmer chillen und über Allah und die Welt unterhalten oder von Maryam erfahren, dass ihre Ehe arrangiert war und sie das durchaus als das bessere System sehen würde -


- mit Dr Njau als erste Assistenz bei einer Mastektomie operieren und nach dem Zunähen vom Anästhesisten "she got a surgeon's hands" zu hören (tollstes Kompliment seit langem ;)) -
laparoskopische Cholezystektmie

- auf dem Kisutu Market frisches Gemüse und Ugali bei dem Verkäufer, der mich schon kennt, ergattern, was ich danach mit Agatha koche und verspeise -

- weil das Gas aus ist, mit Agatha über dem offenen Feuer frische leckere Chapati braten -

- mit Agathas Sohn Daniel Seilspringen,  er zählt auf Englisch mit und ich auf Kiswahili -
Agathas Jüngster: Daniel

- in Bagamoyo erst auf dem Markt einkaufen, dann mit Mufti und den Jungs aus seiner Band bei ihm zuhause oder mit Margie im Garten des Baobab-Studios kochen -

- mit Sidaz spontan abends ins Meer springen und durch die Wellen kraulen -

- im Büro des TV-Senders, bei dem Sidaz arbeitet, spontan ein Radiointerview führen :D -
mein erstes Radiointerview ;)

- im Club einen Song auf Swahili mitsingen können, weil ich ihn schon so oft gehört hab :) -

- mit Agatha in ihren Sportclub zum Aerobic zu gehen und endlich mal wieder Sport zu machen (gemeinsam mit ca. 15 anderen indischen und afrikanischen Mädchen und Frauen, von denen ich wohl die schlankeste war ^^) -

- im Baobab-Studio in Bagamoyo zuschauen und zuhören, wie ein neuer Song produziert wird (und bei einem Song im Background mitsingen) -

- bei Pili in Bagamoyo einen Kitenge (afrikanischen Stoff) abgeben und 6 Stunden später ein maßgeschneidertes schönes Kleid abholen! (Für umgerechnet 5 + 4 €!) -

- einen wunderschön von Sidaz' Schwester auf traditionelle Weise (weil Stromausfall...) gebackenen und
verzierten Kuchen an meinem letzten Tag zusammen mit den Ärzt*innen verspeisen -

Baobab-Spider
- die größte Spinne, die ich je gesehen habe, im Garten des Baobab-Studios als Haustier akzeptieren und seitdem keine Angst mehr vor Spinnen zu haben. (Hätte bei der Expositionstherapie trotzdem gerne Anna-Lena dabei gehabt ;)) -

- nachdem ich in der Milimani-Mall nicht fündig geworden bin auf dem Markt in Mwenge günstige und schöne gebrauchte Ballerinas in meiner Größe finden (fairtrade ;)) -

- durch Bagamoyo laufen und von sechs auf mich zu stürmenden 'mzungu, mzungu'-rufenden kleinen Kindern umkreist werden, die einen alle umarmen wollen -

- bei einem Rap Freestyle Kontest den Beats & Rhymes der lokalen und landesweiten Hiphop-Stars lauschen -

Montag, 19. August 2013

Mein Alltag bei Agatha

5:00 Uhr - Weckruf durch das Morgengebet der benachbarten Moschee
7:00 Uhr (saa moja 1) - Agatha klopft an meine Tuer und mein Wecker klingelt: Der Morgen beginnt mit einer warmen
"Dusche" aus dem Eimer. Dazu wickel ich mir meinen Kanga (afrikanisches Tuch) um und gehe zwei Schritte ueber den Hof - kurzes "Habari za asubuhi?" an Saidi und Ibrahim gerichtet, bevor ich kurz checke, ob sich eine Kakerlake oder neue Spinne in der Dusche versteckt hat und mich dann wasche.
Zum Fruehstueck gibts Chapati und Chai, den Saidi und Ibrahim jeden Morgen zusammen mit nyama etc. im Hof verkaufen, oder das Abendessen von gestern (Agatha hat keinen Kuehlschrank).
7:51 Uhr - (wie immer fast zu spaet) stehe ich auf der Strasse und warte auf den Staff-Bus. Langsam haben die meisten gecheckt, dass jetzt ein Mzungu hier wohnt und ich keine Touristin bin :)
8:20 Uhr - Der Bus hat sich erfolgreich durch den furchtbaren Dar-Verkehr gekaempft und laesst uns am Aga Khan Hospital (direkt an der Kueste) raus. Die Interns bereiten die Visite vor und Leon (der andere deutsche Famulant) und ich schauen zu.
9:00 Uhr (saa tatu 3) - Ab jetzt trudeln irgendwann in der naechsten Stunde die verschiedenen Consultants (orthopedics, surgery, ENT(ear, nose, throat)) ein und die ward rounds (Visiten) beginnen. Danach gehe ich mit in den OP, die clinic (Ambulanz) oder chille auf Station rum - viel zu tun gibt es meistens nicht. Aber ich sehe einiges und lerne jeden Tag ein bisschen was, weil die Consultants meist ganz gerne erklaeren und Fragen stellen. Manhmal werden wir in die Radiologie geschickt, wo uns der Radiologe in pakistani-
english Fragen stellt und einiges erklaert. In der Ambulanz gibt es einen minor theatre, in dem kleinere Eingriffe, wie Abszessspaltung usw. vorgenommen werden - dort koennen wir manchmal assistieren.
13:15 Uhr - Lunch Time: Natuerlich wird mit den Haenden gegessen (ausser man bringt ihren eigenen Loeffel mit) und man muss aufpassen, dass die lauernden Raben und Katzen nicht das Essen vom Teller wegschnappen, weil wir draussen essen.
Danach gehts wieder auf die Station (Verbandswechsel, Faeden ziehen, bei einer Aszitespunktion assistieren), manchmal in den OP (Haken halten etc.) oder in die clinic.
16:30 Uhr In den Staff Bus springen, der einen durch die nachmittagliche Rushhour wieder in die Stadt bringt.
Die Sonne geht in zwei Stunden unter: Entweder ich lerne noch etwas Swahili und koche zusammen mit Agatha frisches beim Kisutu-Markt eingekauftes Gemuese oder treffe mich mit Freunden. Ca. alle 10 Tage setze ich mich mit Agatha in den Hof und wasche meine Waesche (von Hand versteht sich). Manchmal nutze ich Agathas PC in ihrem kleinen 'Stationery'-Copyshop, um einen Blogeintrag zu verfassen, wie jetzt gerade =)

Abends gibts dann lecker tansanisches Essen von Agatha und zum Nachtisch Papaya, Wassermelone o.ae. oder ich esse unterwegs in den guenstigen Restaurants oder an einem Strassenstand zu Abend.

Am Wochenende gehe ich mit Kevin (hat Rebe beim Auslandssemester in Durban kennengelernt) in Msasani oder Posta feiern. In den Clubs tanzen selbstverstaendlich alle und zwar auf Reggeaton, Bongoflava und Hiphop, was mir natuerlich gut gefaellt =)

Oder ich fahre nach Bagamoyo, um dort der Grossstadt zu entfliehen und am Strand zu chillen bzw. einfach ziellos mit Sidaz und Mufti durch die Strassen zu laufen, zu kochen, essen, feiern und tanzen.
Letztes Wochenende war ich im Village Museum, das die traditionellen Huetten einige der ueber 120 verschiedenen Tribes in Tansania und eine Tanzshow mit Trommelmusik zeigt, bei der Daniel (Freund aus Berlin) und ich mitmachen konnten: Daniel hat mitgetrommelt und ich mitgetanzt ;)
Am Sonntag waren Leon, Kevin, Sidaz und ich auf der wunderschoenen Insel Bongoyo, zu der wir mit dem Boot von der Slipway-Shoppingmall in Msasani gefahren sind. Am paradiesischen Strand haben wir uns gesonnt, sind geschwommen, von den Felsen ins
Meer gesprungen und haben Fish & Chips (bzw. fuer mich Saladi ;)) gegessen. Auf dem Rueckweg konnten wir einen superschoenen Sonnenuntergang vom Boot aus beobachten.

Donnerstag, 15. August 2013

Aga Khan Hospital Dar Es Salaam

Da das Aga Khan Hospital ein privates Krankenhaus ist, und man entweder versichert sein muss oder cash zahlt (eine Nacht auf Station kostet im Schnitt 200 Dollar), findet sich hier nur eine selektierte Patient*innengruppe, unter denen viele Inder*innen und Araber*innen sind. Die Bezahlung der Aerzt*innen soll allerdings eher schlechter sein als im staatlichen Krankenhaus. Die Interns (zwischen PJler*in und Assistenzarzt/aerztin) verdienen nur ca. 500 Dollar im Monat (!). Da es in Pakistan eine Aga Khan Medical School gibt, sind besonders viele Consultants (Oberaerzte) pakistanischer Herkunft.

OP
In den OP (theatre) kommt man einfach durch ein Umkleidezimmer mit XXL-Scrubs, die Haube und den Mundschutz holt man sich im Raum vorm OP-Saal. Dieser sieht bei weitem nicht so steril aus, wie die OP-Saele, die ich aus Deutschland kenne, haben dafuer einige Geraetschaften (Anaesthesiewagen, Endoskopiegeraet) von deutschen Firmen :). Die OP-Schwestern und -Pfleger sind bei weitem nicht so penibel auf Sterilitaet bedacht, wie das unser (teilweise Aggro-) OP-Personal manchmal ist ;)
Die OP-Tuecher werden wie die OP-Kittel im Autoklav sterilisiert und mehrmals verwendet. Es kommt ab und zu mal vor, dass bestimmte Schrauben o.ae. nicht verfuegbar ist - dann wird improvisiert.
Die OP-Techniken sind aber meist so wie ich sie auch aus Deutschland kenne.

Visite
Die Visite lauft aehnlich wie bei uns ab. Die Sprache der Aerzt*innen ist Englisch - die Interns und Registras reden aber auch oft Swahili miteinander. Auf unserer chirurgischen Station liegen Patient*innen aus der Orthopaedie, Allgemeinchirurgie und HNO. Sobald der dazugehoerige Oberarzt da ist, geht die Visite los und die Interns notieren alle Anordungen des Consultants im Stationsbuch, um sie spaeter auszufuehren und in die Pat.-Akte zu uebertragen. Bei der Visite ist immer ein*e Pharmakolog*in dabei, finde ich echt sinnvoll - sollte man in Deutschland auch einfuehren :) Die Medikamenten-Anordnungen werden in ein Intranet eingetippt. Auch die radiologischen Befunde lassen sich am PC aufrufen. Entlassungsformulare etc. werden aber noch komplett per Hand geschrieben.

Einer der groessten Unterschiede ist, wie wenig die Pat. aufgeklaert werden. Im buerokratischen Deutschland erfolgt die Aufklaerung ja relativ ausfuehrlich mit allen moeglichen Risiken und Nebenwirkungen des Eingriffes und mit einem extra Aufklaerungsformular. Hier wird nur kurz erklaert was gemacht wird und es wird ein fuer alle Eingriffe einheitliches Formular unterschrieben. Der Consultant hat z.B. schon mehrfach Pat. geantwortet bei einer Cholezystektomie gebe es keine Risiken und side effects...

Ausserdem habe ich das Gefuehl, der Arztberuf ist hier nicht mit so einem riesigen Prestige belegt, wie in Deutschland, wo sich einige Aerzte immernoch als "Halbgoetter in weiss" sehen. Hier empfinde ich Aerzte einfach als Menschen, die ihrem Beruf nachgehen, man ist direkt mit ihnen auf einer Ebene, weil sie nicht so abgehoben sind und trotzdem zeigen die Patient*innen viel Dankbarkeit fuer die Hilfe der Aerzt*innen.

Die Patient*innen warten hier, wie schon befuerchtet, meist aus finanziellen Gruenden, laenger bis sie das Krankenhaus aufsuchen, weshalb hier ausgepraegtere Erkrankungen zu sehen sind. Ein anderer Grund kann sein, dass Pat. zunaechst erhoffe ihre Krankheit werde durch spirituelle Kraefte geheilt - sie beten, der Knochen moege von alleine zusammenwachsen oder suchen alternative Heiler auf.

Was ich ganz praktisch finde: Es gibt einen extra Staff Bus, der jeden Morgen das Krankenhaus in der Stadt einsammelt und jeden Mittag kostenloses Mittagessen (natuerlich ohne Besteck), das zwar weig abwechslungsreich, aber ansonsten echt geniessbar ist.

Meinen Kittel konnte ich wieder in den Koffer packen, weil die meisten Aerzt*innen in ihren normalen Klamotten (Hemd, Bluse, Gewand) auf Station arbeiten, nur selten sieht man hier Weisskittel herumlaufen.

Medizinstudium
Das System der medizinischen Ausbildung ist so wie in Suedafrika: 5 Jahre Medical School (auf Englisch), dann ein Jahr Internship, bei dem man unterbezahlt je 3 Monate auf verschiedenen Stationen arbeitet und ca. einmal die Woche 24h-Schicht (on call) hat. Danach arbeitet man als Registra, dort, wo man einen Job bekommt (nicht unbedingt in dem Fachbereich, in dem man sich mal spezialisieren will). Den Facharzt erlangt man in einem Master-Prorgamm, bei dem man noch mal Vorlesungen etc. hat. Die Muhimbili-Universitaet in Dar Es Salaam ist die einzige staatliche medizinische Uni in Tanzania. Es gibt aber noch einige private medical schools.

Mittwoch, 7. August 2013

Chakula chakula - Essen in Tanzania

Gegessen wird meist natuerlich mit den Fingern. Einen Loeffel gibt es nur bei Suppe und ab und zu bei Reis - dafuer gibt es aber auch in jedem Restaurant die Moeglichkeit sich vor und nach dem Essen die Haende zu waschen. Agatha hat immer mit viel Fett gekocht und ich glaube, das ist generell weit verbreitet. Oft schmeckt es weniger suess, dafuer fettiger als bei uns.
Agathas Küche:


Fruehstueck
In den meisten Hostels/Hotels gab es morgens Toastbrot mit Magarine und evtl. Marmelade, dazu haeufig Obst und schwarzen Tee (mit oder ohne Milch) oder Instant-Kaffee. Manchmal gab es auch Omelette.
Bei Agatha habe ich allerdings auch haeufiger Mal das Abendessen vom letzten Tag zum Fruehstueck bekommen ;) das ist wirklich gewoehungsbeduerftig. Sonst esse ich immer Chapati (lecker :) siehe unten) mit Obst und Chai (schwarzer Tee).
Pilau kochen


Mittag-/Abendessen
Meistens kann man zwischen Reis, Ugali (aus Reismehl) und Pommes (Chipsi) zusammen mit Fleisch (nyama), Huehnchen (kuku), Fisch (samaki) oder nur mit Sosse waehlen. Dazu gabs meistens Spinat, Bohnen, Kasawa oder ein anderes Gemuese und ein bisschen Salat, der meist aus Krautsalat (kabichi) besteht.
Ansonsten gibt es Chapati (eine Art Pfannenkuchen/Fladenbrot), Kartoffeln, Mshkaki (Fleischspiesse) etc...
Gebratene Banane schmeckt aehnlich wie Kartoffel und wird dementsprechend manchmal zum Fleisch gekocht oder gegrillt gereicht.
Dazu gibt es eigentlich immer Tomatensosse (= waessriges Ketchup) und Chili-Sosse (pili pili).

Als Snack zwischendurch haben sich auch hier die indischen/arabischen Sambusa/Samosa (Blaetterteigtaschen mit Gemuese oder Hackfleisch) durchgesetzt. Es gibt aber auch immer mehr Baeckereien, die z.B. Donuts (weniger suess als unsere, dafuer fettiger) oder Chapati verkaufen.

Ich beschreibe hier natuerlich nur wie ich Essen bei Afrikaner*innen kennen gelernt habe. Geht man in touristischeren oder reicheren Gegenden Essen, bekommt man auch Pizza, Salat und andere europaische Speisen aufgetischt - und auch meist Besteck dazu ;)
Ugali